Vorstellung 2tes Häuserbuch

Vorstellung des zweiten „Bessenbacher Häuserbuches“ am Freitag, 14. November 2025
 

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte der 1. Vorsitzende Willi Diener die sehr zahlreich erschienenen Anwesenden, Ehrengäste, Ehrenmitglieder und die benachbarten Vereine im Glaspavillon der Bessenbachhalle. Anschließend übergab er das Wort an den Stellvertr. Vorsitzenden Hermann Fuchs, der das neue Schmuckstück des GKV Bessenbach vorstellte: Zum 40. Geburtstag des Vereins beschenkte der Verein sich selbst mit einem Faksimile der Lucius-Urkunde. In dieser Urkunde wird am 21.12.1184 Bessenbach erstmals urkundlich erwähnt, was unsere Vereinsgründer 800 Jahre später zum Anlass nahmen,  die offizielle Vereinsgründung genau auf diesen Tag zu legen. Wir bedanken uns bei Dieter Staab für die Idee und Umsetzung sowie bei der Buchbinderei Lang für die fachmännische Anfertigung. Und ganz besonders bei unserem Mitglied Dr. Michael Kunkel für seine großzügige Spende zur Umsetzung des Vorhabens. Willi Diener bedankte sich für über 450 verkaufte Exemplare vom ersten Band und übergab das Wort an Dieter Staab, der mit seiner Vorstellung des 2. Häuserbuches begann.

Bei den Recherchen zu den Büchern tauchen immer wieder interessante Themen auf, die es wert sind, über die letzten 180 Jahre hinweg betrachtet und aufgearbeitet zu werden. Ein Beispiel dafür ist das Heiratsverhalten innerhalb der Ortsteile und auswärts. Dazu nur so viel: Bis zum Ende des ersten Weltkriegs wurden die Ehen geschätzt in 8-9 von 10 Fällen innerhalb des eigenen Ortes geschlossen, wobei die Verheiratung mit Partnern aus den jetzigen Bessenbacher Ortsteilen nicht wesentlich häufiger anzutreffen ist, wie die mit Partnern aus anderen umliegenden Ortschaften wie Waldaschaff, Hessenthal, Grünmorsbach oder Haibach.

Ein weiteres Thema, das sich für uns sehr interessant darstellt, ist die Bevölkerungsentwicklung in Bessenbach. Die ersten verlässlichen Familien bzw. Einwohnerzahlen finden sich bei der Auflistung der Mainzer Untertanen im Cent vor dem Spessart im Jahr 1617. Im dreißigjährigen Krieg wurden alle vorhergehenden Aufzeichnungen mit den Pfarrmatrikeln vernichtet. Im 18. Jahrhundert ist die Datenlage dann schon besser. In den Pfarrmatrikeln Keilbergs bemühte sich besonders Pfarrer Ritter, aus den Überresten und Neueintragungen ab 1714 eine gewisse Ordnung der Kirchenbücher wieder herzustellen. Besser und mit der gedruckten Form des Schematismus der Diözese Würzburg ab 1823 liegen dann fast jährliche Zahlen bis ins beginnende 20. Jahrhundert vor. So stiegen die Einwohnerzahlen stetig an und 1995 erreichte Bessenbach kurzzeitig eine EW-Zahl von knapp 6000.

Ein zweiter Gedanke von Staab: Wie sahen die Häuser Mitte des 19. Jahrhunderts aus und wie waren die Lebensverhältnisse der Bewohner? Er stellte das bei uns typische „Spessarter Wohn-Stall-Haus“ vor und bezog sich dabei hauptsächlich auf einen Vortrag vom Spessart Museum in Lohr. Der Würzburger Arzt Rudolf Virchow beschrieb in seinem Buch „Die Noth im Spessart“ die schlimmen sozialen und hygienischen Zustände und umschrieb das genannte Spessarthaus so:

„Wohin man kommt, sieht man im Spessart relativ kleine Häuser, die über einem meist ganz überirdischen Keller ein einziges Wohnzimmer mit engem Kämmerlein und eine kleine Küche enthalten. Man steigt über eine steinerne Treppe zu einem kleinen Vorplatz herauf, der geradeaus in die Küche , an einer oder auch zu beiden Seiten in die Wohnzimmer, nach oben auf den Vorratsboden führt. Unter demselben Dache ist häufig auch der Viehstall und die Scheune. Ringsum und namentlich vor dem Hause sind Mistlachen, und an einer Seite gewöhnlich stößt ein kleiner Garten heran. Kurz gesagt: Im „Spessarter Wohn-Stall-Haus“ war alles unter einem Dach, auch Mensch und Vieh bei einer Wohnfläche mit ca. 30 m2 und vielen Kindern. Anschließend stellte Staab einige Beispiele aus dem neuen Band II aus den verschiedenen Ortsteilen vor. Auch heute noch sind typische Bauformen wie die Außentreppe und die zur Straße zeigende Kellertür gut zu erkennen.

Jetzt wurde es ganz konkret, denn der 2. Band des Häuserbuches wurde genauer vorgestellt. Die Kartenübersichten „alt – neu“ bekamen ein neues Layout. Danke dafür an Josef Straub für diesen immensen Arbeitsaufwand! Ansonsten blieb die Grundordnung mit je einer Text- und Bildseite pro Haus gleich. Der Umfang ist im Vergleich zu Band I von 246 auf 342 Seiten – also um 1/3 – angewachsen und das Buch war mit der normalen Bindung nicht mehr machbar. Deshalb wurde es mit einer hochwertigen Buchdeckelbindung hergestellt. Es folgten einige ausführlichen Beispiele aus Band II wie z. B. die Metzgerei Sauer in Straßbessenbach, die Schreinerei Georg Stegmann in Keilberg und die Zeckenmühle in Oberbessenbach. Herzlichen Dank an alle Sponsoren, die uns unterstützt haben und so erst den Preis von 39,90 € ermöglichten.

Willi Diener bedankte sich bei dem Autorenteam für die hervorragende Arbeit und überreichte allen ein Exemplar: Dies sind: Friedl Hessler, Peter Schmitt, Fritz Stein, Dieter Staab, Stefan Ruppert, Georg Roth, Josef Straub, Stefan Hock, Hubert Schmitt, Hermann Fuchs und vor allem „Korrekturlesermeister“ Reinhold Brehm. Auch der Vertreter der beiden Bürgermeister, Werner Aulbach, erhielt ein Exemplar. Dieser bedankte sich sehr herzlich im Namen der Gemeinde Bessenbach für den 2. Band.

Es folgte der Verkaufsstart von Band II des Bessenbacher Häuserbuches und Gelegenheit für vertiefende Gespräche mit den Verfassern. Bei kühlen Getränken und kleinen Knabbereien klang diese tolle Vorstellung des neuen Werkes im Glaspavillon der Bessenbachhalle aus.

Das Häuserbuch (Band I + II) kann ab sofort erworben werden bei: Willi Diener T: 3673;                Georg Roth T: 2353; Hermann Fuchs T: 3230; Reinhold Brehm T: 1213 und Dieter Staab T: 995885.

Anlässlich der Hobby-Kunstausstellung in der Schulturnhalle, Grundschule Bessenbach am 22./23.11.2025 besteht ebenfalls Gelegenheit zum Bucherwerb.

Ebenso am 28. und 29.11.2025 am Verkaufsstand des Geschichts- und Kunstvereins im REWE Markt Mimoza Selimi in Bessenbach.